Eine Art von Unsichtbarkeit
Manuela Hötzl im Gespräch
mit Laurids Ortner



Gibt es nicht schon zu viele Bücher über Architektur?
Es gibt viele überflüssige. Das ganze Angebot von Büchern, in denen nur geschönte Bilder ohne Umfeld und ohne konkrete Beschreibung von Bezügen gezeigt werden, ist inflationär. Viele dieser sogenannten Monografi en gehören dazu.

Und wie soll ein gutes Architekturbuch aussehen?
Im Idealfall wie ein Reisebuch. Die Architektur soll darin so beschrieben werden wie eine fremde Gegend: detailreich, mit exakten Angaben über alltägliche Vorgänge, über Materialien, die landschaftliche Umgebung. Beschrieben wird nur, was auch wahrgenommen werden kann. Keine Erklärungen, keine Interpretationen, keine Wertungen. So könnte man doch über Häuser und urbane Landstriche berichten. Alexander von Humboldt mit seiner teilnehmenden Betrachtung wäre dafür ein Vorbild.

Es geht doch aber auch um das Vermitteln von Architektur. Um eine verbale Darstellung.
Rem Koolhaas hat das ausgiebig praktiziert. Und funkelnde Bögen hergestellt, die weit Auseinanderliegendes miteinander verbinden. Was aber so unbefriedigend daran ist, dass die hausgemachten Architekturerfi ndungen nun auch noch als didaktische Theorie umgemünzt werden. Gute Architektur ist letztlich schlicht und kommt gut ohne Verweise auf anderes aus.

Eine Strategie, die auch zu großen Aufträgen führt …
Mag sein. Es braucht sprachliche Argumente, um Architektur überhaupt durchzusetzen und bauen zu können. Trotzdem hat die permanente Übersetzerei von Architektur in Sprache der Architektur selbst geschadet. Sie ist seltsam ausgehöhlt, ohne spürbare Substanz. Das Gespür für Raum fehlt, sagt Donald Judd. Eine Folge der Moderne, die zu Beginn dachte, gesellschaftliche Probleme lösen zu können, und auf verbale Vermittlung setzte.

Aber Le Corbusier, Adolf Loos oder schon Karl Friedrich Schinkel sind nur einige Beispiele, deren Bücher gleichbedeutend mit ihrer Architektur waren.

Das waren immer eigenständige Betrachtungen, die parallel zum Bauen geführt wurden. Loos zum Beispiel hat nicht versucht, seine Bauten sprechen zu lassen: Er bestand auf einer Wirkungsweise, die still greift. Ein Museum aber als zerbrochener Judenstern ist schon vom ersten Ansatz an literarisch: eine verbale Metapher, die dann gebaut wird. Für bildende Künstler gibt es keine tödlichere Beleidigung, als ihre Kunst als literarisch zu bezeichnen. Sie wissen, dass sie dann ihr ureigenes Ziel verfehlt hätten.

Du meintest einmal, man müsste eine Art ‚Reality Check‘ der hochgelobten Bauten der letzten Jahre machen. Gibt es keine Bauten der Moderne, die gehalten haben, was sie versprechen?

Es ist doch bemerkenswert, dass die ganze Branche von Architekturmagazinen sich beharrlich darauf beschränkt, Architektur möglichst geschönt anzukündigen. Was aus diesen strahlend beleuchteten Werken im Gebrauch geworden ist, in welcher Umgebung sie sich befi nden, scheint niemanden zu interessieren. Das meiste sieht dann recht bescheiden aus.

Wie entsteht diese Täuschung der Öffentlichkeit? Kann man sie, mit einem Vergleich aus der Mode, als ‚Fashion Victim‘ bezeichnen?

An der Begeisterung für das Spektakuläre ist nichts auszusetzen. So funktionieren wir. Allerdings, wenn es um das Bauen geht, wird es wichtig, die zeitlich viel längere Wirkungsweise miteinzubeziehen. Das eben unterscheidet Architektur von Mode.

Wie gehst du mit dem Begriff Kontext um?
Kontext ist die Grundbedingung für jede Architektur. Wenn ein Architekt glaubt, sich darüber hinwegsetzen zu können, dann macht er irgendetwas anderes, sicher keine Architektur. Wir müssen exakter mit unseren Begriffen und Definitionen umgehen. Deshalb kann sich auch kein Diskurs bilden, weil sich offensichtlich jeder zurechtbiegt, was allgemeine begriffl iche Basis sein sollte. Ein ständiges Beginnen bei Null, das jede Kontinuität unmöglich macht.

Kritik an der Moderne?
Das Gedankengut der Moderne mit seinem Ansatz, die Gesellschaft zu erneuern, wurde in den Jahrzehnten danach immer mehr zur individuellen Erfi ndung verfälscht. Jeder Architekturstudent wird nun darauf getrimmt, möglichst eigenständige Architekturformen zu erfi nden. Die Folge ist ein in sich geschlossenes Gerede, das sich jeder gemeinsamen Weiterentwicklung entzieht. Architektur aber braucht die Kontinuität einer Weiterentwicklung, um zu einer verfeinerten Typisierung zu gelangen. Bei den griechischen Tempeln geschah das zum ersten Mal und ist heute bei allen komplexen Massenprodukten selbstverständlich. Die Automobilbranche hat damit nicht nur technisch riesige Schritte gemacht, sondern auch eine nuancenreiche Ästhetik entwickelt.

Wien wäre doch eine überaus geeignete Stadt für Architekten, sich auf neue Weise des Themas der Anknüpfung an die Historie anzunehmen. Warum passiert das nicht?

Weil alle mit ihren Neuerfi ndungen beschäftigt sind, hat man das Thema weitgehend der Denkmalpfl ege überlassen. Die interpretiert nach ihren Regeln grundsätzlich sehr defensiv. Intelligente Baukunst wird damit fertig. Aber es wird noch einige Zeit dauern, bis die architektonische Verbindung von Alt und Neu als großes europäisches Thema aufgegriffen wird und eine Kontinuität der Verfeinerung beginnen kann.

Versteckt sich das Museumsquartier in diesem Sinne bewusst hinter der Fischer von Erlach- Fassade?
Der Ausdruck ‚verstecken‘ ist typisch für die verkrampften Beziehungen zwischen Alt und Neu. Als fortschrittlich gilt, dass das Neue auf alle Fälle in kräftigem Gegensatz dem Alten entgegenzutreten hat. Die Neubauten des Museums quartiers verstecken sich nicht. Sie nehmen mit ihrer Umgebung eine komplexe Beziehung auf.

Das Museumsquartier ist zu einem sehr belebten urbanen Fixpunkt in der Stadt geworden.
Lässt sich diese Akzeptanz überhaupt planen?

Die Architektur bewährt sich offensichtlich. Das läuft so gut, dass sich jetzt mancher fragt, ob das von Architekten geplant sein kann. Eine Atmosphäre von aufgekratzter Lebendigkeit zu erzeugen, bei der man selbst das Gefühl hat, besonders animiert zu sein, zählt zu den besten Eigenschaften, die man der Architektur entlocken kann. Bei unseren Arbeiten sind wir hinter diesen unsichtbaren Eigenschaften her, weil sie das eigentliche Medium ausmachen. Durch Architektur lässt sich diese Grundstimmung von Angeregtheit erzeugen, die es sonst nur in der freien Natur gibt. Das Zusammenspiel aller Elemente ist wichtiger als die hervorragende Einzelform.

Das hört sich ja wie ein direktes Anknüpfen an euer zeitlos gewordenes Buch ‚Design ist unsichtbar‘ an. Seit damals ist ein glattes Vierteljahrhundert vergangen.
Die Suche nach den Bestandteilen des Alltäglichen, des so genannt Normalen, beschäftigt uns seit damals. Das ist der Stoff, aus dem gute Bücher, gute Filme, auch gute Architektur gemacht werden. Es ist der einzig dauerhafte Ansatz. Pragmatisch und geheimnisvoll. Es geht um die Annäherung an unsichtbare Wirkungsweisen, vielleicht Energiefelder. Architektur ist dabei der eigentliche Faktor. Sie kann speichern und fein weitergeben. In guten Fällen wird durch sie dieses Unsichtbare sichtbar.

Du hast auch einmal gesagt, dass du die Qualität von manch alten Gebäuden erst jetzt richtig schätzt. Hast du ein Lieblingsstück?

Castel del Monte. Friedrich II., nach Nietzsche der erste Europäer, hat es 1240 errichten lassen. Es steht in Apulien auf einem Kegelstumpf, der sich über die Landschaft erhebt. Ein steinerner Drehwürfel, der im Drehen an seinen Kanten die nächsten Drehkörper hervorbringt. Unglaublich in seiner Reduziertheit und seiner Komplexität. Zum ersten Mal spürte ich, dass von Bauten feine Energieströme ausgehen können. Dass das eigentlich Architektur ist. Generatoren für Energiefelder, in denen man sich auch selber großartig empfindet.

Und die Wiener Architekturgeschichte: Das ‚Looshaus‘ ist für dich ein wichtiges Gebäude?

Das Looshaus am Michaelerplatz fasziniert. Es ist getarnt, scheint nicht auf, weist zurück und zieht doch alles rundum in seinen Bann. Ein rätselhaftes Haus, das ich eigentlich nie mochte, unangenehm sperrig. Aber über die Jahre habe ich diese Sperrigkeit zu schätzen gelernt. Sie hält den Bau seltsam frisch. Er hat etwas Normales und Besonderes zugleich. Eine Mischung, die die Jahre offensichtlich spielend durchtaucht. Diese Art herber Zeitlosigkeit interessiert uns immer mehr. Das Museumsquartier hat etwas davon.

Von welcher Qualität ist da die Rede?

Wichtig ist, so knapp wie möglich an der Normalität zu bleiben. Suspense kann sich nur aus der geringfügigen Abweichung davon ergeben. Das Eintauchen in eine Schicht, die nur um Nuancen von der vertrauten Realität verschoben ist. Da gibt es dann wirklich Fremdheit, weil die Bilder scheinbar bekannt sind, aber alle bekannte Bedeutung wegkippt. Hitchcocks Filme haben uns das vorgeführt. Für Architektur gilt das nochmals verschärft. Diese feine Verschobenheit vermeintlich bekannter Bilder steuern wir mit unseren Bauten an. Ihre Form scheint alltäglich, aber ihre Magie ist fremd und greift dir von allen Seiten in Kopf und Herz.

Was verbindet nun alle drei Kulturbauten miteinander? Was müssen Kulturbauten können?

Kulturbauten sind Meilensteine der Gesellschaft. Sie sollen langfristig dauerhaft sein. Konzeptuell und physisch. Gebaute Markierungen zur Orientierung. Das heißt, dass sie nicht aktuellen Moden unterworfen sein dürfen. Mit widersprüchlicher Souveränität halten sie stand in der Brandung. Pegel, an denen man feststellt, wie hoch oder niedrig die Gezeiten sind.

Denkst du, diese Kulturbauten müssen symbolisch für eine Gesellschaft stehen?

Die plakative Überhöhung, die Symbole mit sich bringen, kann nicht der geeig nete Stoff für Kulturbauten sein. Sie sollen vielmehr einen andauernden Transfer von einer Zeit in die andere erfüllen können. Da sind übertragene Bedeutungen und Verweise ungeeignet. Dauerhaftigkeit ist an eine wesentliche Reduktion gebunden.

Und im Speziellen: Was sind die wesentlichen Punkte bei MQ, Schiffbau und S.L.U.B. – auch ein wenig im kritischen Rückblick. Welche Konzepte sind aufgegangen, welche nicht?

Was alle drei Projekte verbindet, ist ihre Art von Unsichtbarkeit. Der eigene Formwille tritt hinter etwas zurück, das sich aus Anforderungen scheinbar von selbst ergibt. Wesentlich dabei ist aber, diese Anforderungen so aufzuladen, dass sich mit Intensität letztlich von außen eine andere Form selbst bildet. Kein Architekt nimmt sich so etwas bewusst vor. Wir haben das intuitiv angesteuert. Auf unterschiedliche Weise entziehen sich diese Bauten einer Vereinnahmung. Das ist für rasche Kommunikation schlecht, für die Bildung von Mythos günstig. Bauten sind die besten Speicher von Mythen. Das anzulegen interessiert uns.

Architektur und Kunst, wie geht das zusammen?

Architektur muss die Kunst protegieren. Sie wohlwollend aufnehmen und ihr zu einem optimalen Auftritt verhelfen. Das ist es. Und das hat nichts mit asketischen Purismen zu tun.

Hattet ihr als Haus-Rucker-Co nicht beide Seiten einzufordern?

Nein. Die provisorische Architektur, die wir propagierten, trat gegen die bereits vorhandene an. Sie verstand sich als Korrektur eines urbanen Verständnisses, das in seiner Sicht und Denkweise völlig festgefahren war. Die Kunst-Architektur die wir damals machten, hat die gebaute Architektur attackiert, zur Stellungnahme herausgefordert. Diese formale Grundsatz-Konfrontation hat sich mittlerweile so oft wiederholt, dass sie nicht weiter brauchbar ist. Eigentlich waren wir die Letzten, denen man dieses Anliegen gerade noch durchgehen lassen konnte.

Wenn ihr als Haus-Rucker-Co also gegen das Vorhandene aufgetreten seid und jetzt Anknüpfung propagiert – geht das nicht gegen den natürlichen Prozess, immer das Vergangene zu erneuern?

Erneuerung geschieht in jedem Fall. Die Moderne aber hat uns aufgezwängt, dass sich Erneuerung im gegensätzlichen Überwinden, im autonomen Erfinden manifestiert. Als Haus-Rucker-Co haben wir diesen Prozess am produktivsten von allen damaligen Protagonisten durchgespielt. Über 20 Jahre Experimente, vor und zurück, wieder von vorne und nochmals und nochmals. Wir haben die Möglichkeiten des ständigen Neubeginns im Labor hinlänglich erforscht. Er bringt uns nicht weiter. Die Themen der Anknüpfung, der Kontinuität sind also keine Rückgriffe, sondern aktueller Stand einer langen Versuchsreihe.

Von der Kunst-Architektur zur Architektur der Investoren. Geht da nicht die Glaubwürdig keit verloren?

Wird etwas gebaut, so braucht man jemanden, der dafür Geld auszugeben bereit ist. Im Idealfall sind Bauherr und Geldgeber in einer Person vereint. Dem Staat als Auftraggeber hat man, allen negativen Erfahrungen zum Trotz, immer noch höhere Ziele zugebilligt. Je mehr sich aber nun der Staat aus dieser Rolle zurückzieht und private Geldgeber an seine Stelle treten, desto größer wird das Gekreische, dass nun immer mehr private Spekulationen das Bild der Stadt prägen würden. Investorenarchitektur als Schlagwort und Argument gegen mangelnde Qualität. Wenn sich die Europäische Zentralbank nun zwei gezwirbelte Scheiben leistet und meint ein Wahrzeichen zu errichten, so unternimmt sie etwas größer nur das, was jeder Investor auch täte: für sich das Beste herauszuschlagen. Von der Architektur hier abstrakte ästhetische Qualitäten zu fordern, wäre doch weltfremd, passiert bei weniger wichtigen Projekten aber laufend.

Das sind aber doch demokratische Prozesse. Man macht sich Sorge um die Art der Veränderung von Stadt und hat nun die Kanäle, das zu äußern.
An diesen Prozessen ist nichts auszusetzen. Selbst wenn sie gegen eigene Konzeptionen wie zum Beispiel beim MQ gerichtet sind. Fatal in unserer Zeit sind dabei allerdings zwei Aspekte: Einmal das Verständnis von Moderne, das sich Manager und Politiker angelernt haben. Und zum anderen das Fehlen von konkreten Plattformen, auf denen Auseinandersetzungen stattfi nden können, die dann endlich zu allgemein gültigen Ergebnissen führen. Für die Baukunst den Status der freien Künste zu reklamieren, ist lächerlich. Über Baukunst wird abgestimmt, sie muss konsensfähig sein, hat den Druck des Boulevards zu absorbieren. Daran dürfen intelligente Lösungen nicht scheitern. Genauso wie Statik, Haustechnik oder Baugesetze sind diese Bedingungen mit aufzunehmen in eine haltbare architektonische Konzeption.

Das ist doch mit einer Unzahl von Anpassungen und Veränderungen verbunden. Wo bleibt
dann der eigentliche Entwurf, der große Plan?

Jeder gute Plan muss genügend Freiheiten beinhalten, die es ermöglichen, auf diese alltägliche Veränderungsdynamik reagieren zu können, ohne die Grundzüge der Konzeption zu verlassen. Das ist Architektur. Vom ersten falschen Strich bis zum letzten schlecht eingeschlagenen Nagel. Eine Kette von Unzulänglichkeiten, von Missverständ nissen, die alle aufgehen müssen in einem Werk von brillanter Qualität. Gute Archi tektur entsteht unter diesem Druck sich ständig ändernder Anforderungen. Sie ist daran zu messen, wie gut sie in der Lage war, daraus Energie zu ziehen.

Die Einhaltung von gedeckelten Kosten ist doch immer mehr ein Hauptkriterium für die Qualität von Architektur. Nicht zuletzt für die kreative und technische Vertrauenswürdigkeit von Architekten.
Der Preis, den eine Sache kostet, ist in unserer Gesellschaft zum wichtigsten Maß stab für Leistung geworden. So ist es. Für Architektur heißt das, unter diesem finanziellen Deckel eine clevere Form von Tauschhandel abzuwickeln. Ursprünglich teurere Materialien gegen die aufwändigere Einhaltung der ursprünglichen Konzeption und so weiter, und so weiter. All die theoretischen Parolen von Konsequenz, Kompromisslosigkeit, Werktreue sind in ihrer moralisierenden Steifheit lächerlich und längst unbrauchbar. Aber gerade sie werden als heroische Formel leicht angenommen und eifrig verfolgt. Wir sind dabei, uns in neue Prozesse einzugewöhnen. Was uns dabei immer wieder hinderlich ist, sind diese Fetzen einer Moderne und ihre ideologischen Nachwehen. Könnten wir uns mit Kontinuität daranmachen, all das, was wir in den letzten 100 Jahren probiert haben, endlich in konsequentere Versuchsketten zu lenken, wir wären schon sehr weit.

Aus internationaler Sicht scheint deutsche Architektur recht unattraktiv zu sein. Hat das nicht auch auf eure Bauten abgefärbt?

Man ist in Deutschland offensichtlich resistenter gegen den Spektakelbazillus als anderswo. Deutsche Architektur wird deswegen haushoch unterschätzt. So wie in anderen Produktionsbereichen gibt es eine solide Gediegenheit, die ohne formale Attitüden auskommt. Nur mit dem Unterschied, dass man alle anderen deutschen Produkte gerade deswegen schätzt, die deutsche Architektur aber nicht. Noch nicht. Diese Ergebenheit in die intelligente Lösung technischer Probleme, das Streben nach Sachlichkeit ohne aufgepfropften Überbau, dieser Wille zur Solidität, verbindet alle deutschen Bauten, wie unterschiedlich sie formal sein mögen. Und hier zeichnet sich etwas von jener Kontinuität ab, die für Architektur wichtig ist: Standards beginnen sich einzudicken zu einer kompakten Konsistenz, die sich kontinuierlich verfeinern lässt. Da sind wir gerne dabei.

Was ist schlecht am Spektakulären? Selbst kritische Stimmen anerkennen den positiven Effekt für die Architektur, dass einfach im Ganzen mehr möglich wird.

Schlecht daran ist die kurzfristige Wirkung. Für eine Zirkusnummer sensationell, für Architektur unangemessen. Bauten sind die größten sichtbaren Maßnahmen un - serer Kultur. Sie erfordern lange Zeit von der Entwicklung bis zur Realisation. Wir können daher auch verlangen, dass diese Dinge nicht schon übermorgen ideell überholt und materiell in Aufl ösung sind. Aus solchen Attitüden werden in der Regel völlig uninteressante Bauten. Zur Umsetzung muss aufwändige Technik herhalten, technische Neuerungen aber gibt es keine. Stellt man einen Bau wie das 2000 Jahre alte Pantheon dagegen, dann wird klar, wie sehr sich unter modernistischem Vorzeichen die Kriterien der Architektur verzerrt haben.

updated on 01 // 2016